Handbuch

True to Age, True to Gender

Was sollten Lehrende in der Erwachsenenbildung über das Gender-Kapital, soziale Fragen und Werte älterer Frauen wissen?

INDEX

True to Age, True to Gender. Was sollten Lehrende in der Erwachsenenbildung über das Gender-Kapital, soziale Fragen und Werte älterer Frauen wissen?

 

 

Verlag: Les Apprimeurs, Paris, 2021

Herausgeberinnen: Dušana Findeisen, Urška Majaron

 

Autorinnen: Dušana Findeisen, Urška Majaron, Oana Dău-Gașpar, Alina-Oana Zamoșteanu, Daniel Muranyi, Doris Breaz, Mirna Fusaro, Giulia Sfreddo, Luísa Oliveira, Cecília Pinto, Christina Harms, Iryna Protsenko, Rosine Dotsey, Karine Duperret  

 

Fotografien: Janet Marolt (außer S. 50: Unspash &Tiago Muraro)

 

Überprüfung: Prof. Dr. Nives Ličen, Dr. Ana Krajnc, Professor Emerita

 

Lektorat: Christina Harms

 

Layout: Les Apprimeur 

 

True to Age, True to Gender wird von der Europäischen Kommission ko-finanziert.

ISBN: 979-10-93647-67-8

Einführung



Modul 1

DAS ENGAGEMENT VON ÄLTEREN MENSCHEN

 

Modul 2

DER LANGE WEG ZU RECHTEN, GLEICHHEIT UND EUROPÄISCHEN WERTEN

 

Modul 3

EIN KLEINES GENDER-HANDBUCH

 

Modul 4

ALTERSDISKRIMINIERUNG UND SEXISMUS IM LEBEN ÄLTERER FRAUEN

 

Modul 5

WAS IST SO SCHAMHAFT AN ÄLTEREN FRAUENKÖRPERN?

 

Modul 6

GLEICHSTELLUNG IN DER ERWACHSENENBILDUNG FÜR ÄLTERE MENSCHEN

 

Modul 7

IKT-METHODEN FÜR DIE GLEICHSTELLUNG



Annex I: Geschichten von vergessenen Frauen aus den Partnerländern

Annex II: Konzeptioneller Hintergrund

True to Age, True to Gender (TAG) ist ein von der Europäischen Kommission ko-finanziertes Erasmus+ Projekt, das sich mit dem Gender-Kapital befasst, das weibliche Lernende in Programme der Erwachsenenbildung für ältere Menschen einbringen können. In diesem Zusammenhang stellen wir die folgenden Fragen:

 

Sind die in der Erwachsenenbildung tätigen Lehrende in der Erwachsenenbildung bereit, die geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Frauen, ihre sozialen Probleme und ihre Werte zu erkennen und in die für sie entwickelten Bildungsprogramme einzubeziehen? Sind sich Lehrende in der Erwachsenenbildung ihrer Pflicht bewusst, ältere Lernende im Allgemeinen und ältere weibliche Lernende im Besonderen zu stärken? Wenn ja, wie können sie ihre Bereitschaft zeigen? Ein Weg ist, den sozialen Belangen älterer Frauen in ihren Kursen für ältere Erwachsene Raum zu geben und so Stereotypen über das Alter und ältere Frauen abzubauen. Dazu gehört auch, Gender-Themen zu erörtern, Wissen weiterzugeben und eine geschlechterneutrale Sprache zu verwenden. Eine weitere Frage ist, warum sich Lehrende in der Erwachsenenbildung überhaupt mit Gleichstellung befassen sollten? Wir glauben, dass die Aufgabe von Lehrenden sich nicht auf die Vermittlung von Fachwissen beschränkt, sondern auch generell die Förderung des Lernens miteinschließt.

 

Und schließlich stellt sich die Frage, inwieweit sich geschlechtsspezifische Werte, d. h. die Werte von Frauen, mit grundlegenden und universellen europäischen Werten überschneiden?

Wenn wir über gesellschaftliche Werte sprechen, blickt jede Gesellschaft (auch die europäischen) auf ihre eigene Geschichte zurück und leitet daraus ihre eigenen Werte ab. Lehrende in der Erwachsenenbildung sollten auch bedenken, dass Werte miteinander verbunden sind. Wenn einer missachtet wird, werden die anderen angreifbar. Um diesen Punkt zu veranschaulichen: Es gibt keine Gleichstellung der Geschlechter in einem Land, in dem männliche Politiker über den weiblichen Körper entscheiden (z. B. Schwangerschaftsabbrüche). Demokratie ist bedroht, wenn die Rechtsstaatlichkeit von Regierungen nicht respektiert wird. Es gibt keine Aussichten auf nachhaltigen Frieden, wenn ein großer Teil des Brutto-Inlandsproduktes in Waffen und Armee und ein kleinerer in Bildung und Wissenschaft investiert wird.

 

Werte, seien sie individuell oder gesellschaftlich, sind nicht statisch, sondern das Ergebnis dynamischer gesellschaftlicher Prozesse. Sie haben einen großen Einfluss auf Entscheidungsfindung, Engagement, Verhalten, Handlungen und Kultur. Wir müssen uns also auch die Frage stellen, was sind die europäischen Grundwerte und welche gesellschaftlichen Werte sind in diesem Zusammenhang in Bezug auf Frauen in den heutigen europäischen Gesellschaften wichtig? Werden die europäischen Grundwerte und -rechte gleichermaßen auf Männer und Frauen angewandt? Die Erfahrung der Projektpartner hat gezeigt, dass nur wenige Europäer*innen die europäischen Grundwerte benennen können: Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Dies sind die Werte, von denen sich alle anderen Werte ableiten. Aus diesem Grund befassen wir uns in diesem Handbuch des Projektes True to Age, True to Gender sowohl mit gesellschaftlichen Werten für Frauen als auch mit europäischen Grundwerten.

 

Herauszustellen, welche Werte für Frauen in Kursen der Erwachsenenbildung wichtig sind, kann durch die Einbindung von Gender-Themen unterstützt werden. Daher sind sie zentrales Thema der in diesem Handbuch enthaltenen Module und des Blended Learning-Kurses für Lehrende in der Erwachsenenbildung, der in diesem Projekt entwickelt wird. Jedes Modul in diesem Handbuch besteht aus einer Einleitung, in der das Thema des Moduls, seine Ziele und seine Bedeutung erläutert werden. Es folgen die Titel der drei Modul-Einheiten unter der Überschrift „Das Modul in Kürze“, bevor das Thema ausführlich behandelt wird. Lehrende in der Erwachsenenbildung und ältere Lernende, die das Handbuch nutzen, werden im Abschnitt „Überprüfen Sie Ihr Verständnis“ am Ende des Moduls aufgefordert, einige wichtige Thesen, die vorgestellt wurden, zu reflektieren und zu diskutieren. Insgesamt umfasst dieses Handbuch sieben Module, die in allen Landessprachen der Projektpartner übersetzt wurden. Dazu enthält dieses Handbuch zwei Anhänge: den konzeptionellen Rahmen des Projektes (auf Englisch) und Lebensgeschichten vergessener Frauen aus den Partnerländern. Letztere sollen als Inspiration für Lehrende in der Erwachsenenbildung dienen, die Themen, die in diesem Handbuch beleuchtet werden, in ihre Kurse einzubringen.

 

Die Herausgeberinnen

MODULE

Gerda Taro
1910 - 1937

Pioneer of war photography
Gerda Taro, nee Gerta Pohorylle, was born in Stuttgart and educated in Leipzig, Germany. As she is from a Jewish family, she flees from the Nazis to Paris in 1933. There she lives a bohemian lifestyle with her friend Ruth Cerf and eventually meets Endre Ernő Friedmann, better known today as Robert Capa. Together, they start documenting the Spanish Civil War in 1935, after Gerda had invented their alter egos in order to better sell Endre's and her own pictures. Inspired by their own political convictions, they only take pictures of the the fight of the republican troops against the rebellious franquist troops. Both of them try to be as close to the action as possible - a goal which eventually led to Gerda's death. Despite the fact that her pictures only cover 1 year of the war, her pictures are those that went around the world. Together with Robert Capa and with David Seymour, she developed modern war photography as we know it today during this short period of time. Since she officially was Capa's agent and he sold many of her pictures as his own, it took until the 2000s until people began to recognize her as an artist in her own right rather than only his partner: In 2007, the so-called Mexican Suitcase was found in Mexico City, a suitcase containing thousands of negatives believed lost by Capa, Taro and Seymour. Since then, many photographs originally attributed to Capa are known to have been taken by Gerda. However, during her short life, Taro was well known and when she was killed in 1937 by a tank, - she was only 26 - thousands of people attended her funeral in Paris. The funeral procession, led by Pablo Neruda and Louis Aragon, became a demonstration against fascism.

Marie-Claire Chevalier
1955 - 2022

The one whose trial for illegal abortion changed the law against abortion in France
In 1971, Marie-Claire Chevalier was 16 years old when she became pregnant after being raped by a boy two years older than her in high school. The young woman asked her mother to help her have an abortion. The mother turned to an underground doctor, but her daughter suffered a hemorrhage that forced her to the hospital. Her rapist, arrested for stealing a car, decides to turn her in against his own freedom. She is directly accused, as are four other women, including her mother, because in 1971 the voluntary termination of a pregnancy was illegal in France and punishable by six months to two years in prison. She was then convicted at the Bobigny trial and all were defended by lawyer Gisèle Halimi. Gisèle Halimi made of this trial and of Marie-Claire Chevalier a political symbol for the right to abortion. The case will forever mark French history and symbolize real progress for women's rights. Extremely mediatized, the trial closely followed by many personalities ends on a brilliant victory. Three years later this judgement, things started to move. This event contributed to the adoption of the Veil law and the legalization of abortion in France in 1975.

Having suffered greatly from this trial, she attempted suicide. Then, she chose to return to anonymity by changing her name. At her death, she received tributes from the President of the Republic, Emmanuel Macron and feminist associations.

Maria Lejárraga
1874 – 1974

She was writing and her husband harvesting the glory, fame and money!
Writer, feminist, deputy, polyglot and socialist who opposed to the death penalty and legal prostitution. She advocated for education, work and equal rights for women in Spain. A very open-minded and visionary woman who had to pay a high price imposed by her gender.

María Lejárraga comes from the region of La Rioja from an economically stable middle class family. She was able to receive good education and became a teacher. During her teaching career she discovered her passion for writing. She was very talented and ready to share her ideas and stories with the world. But, that´s where she bumped into a big obstacle. At the beginning of the XX century being a female writer was seen as immoral work, especially for an educator. If she had risked meeting her goals, she could have lost her teaching job. She found a solution to this problem in her marriage by publishing her works under her husband's name. So, she was writing and waiting at home and he was the one receiving praise and applause at the premiers of the plays. Before dying, her husband confirmed the rumours circulating in theatre circles that she was the true author of his works.
continue reading

Maria Lejárraga
1874 – 1974

She was writing and her husband harvesting the glory, fame and money!
Writer, feminist, deputy, polyglot and socialist who opposed to the death penalty and legal prostitution. She advocated for education, work and equal rights for women in Spain. A very open-minded and visionary woman who had to pay a high price imposed by her gender.

María Lejárraga comes from the region of La Rioja from an economically stable middle class family. She was able to receive good education and became a teacher. During her teaching career she discovered her passion for writing. She was very talented and ready to share her ideas and stories with the world. But, that´s where she bumped into a big obstacle. At the beginning of the XX century being a female writer was seen as immoral work, especially for an educator. If she had risked meeting her goals, she could have lost her teaching job. She found a solution to this problem in her marriage by publishing her works under her husband's name. So, she was writing and waiting at home and he was the one receiving praise and applause at the premiers of the plays. Before dying, her husband confirmed the rumours circulating in theatre circles that she was the true author of his works.
continue reading

Maria Lejárraga
1874 – 1974

She was writing and her husband harvesting the glory, fame and money!
Writer, feminist, deputy, polyglot and socialist who opposed to the death penalty and legal prostitution. She advocated for education, work and equal rights for women in Spain. A very open-minded and visionary woman who had to pay a high price imposed by her gender.

María Lejárraga comes from the region of La Rioja from an economically stable middle class family. She was able to receive good education and became a teacher. During her teaching career she discovered her passion for writing. She was very...
continue reading