MODUL 4

ALTERSDISKRIMINIERUNG UND SEXISMUS IM LEBEN ÄLTERER FRAUEN

Wie wirken sich Geschlechterstereotype und Vorurteile auf ältere Frauen und ihre Situation in verschiedenen Lebensbereichen aus?

Einleitung

 

In diesem Modul geht es darum, wie sich Geschlechterstereotype auf ältere Frauen und ihre Situation in verschiedenen Lebensbereichen auswirken. Dazu gehören zum Beispiel generell Altersdiskriminierung, aber auch Vorurteile gegenüber älteren Frauen speziell. Stereotype über ältere Menschen und besonders Frauen sind meist negativ. Sie existieren auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen des Lebens und beeinflussen die Wahrnehmung von außen, aber auch das Leben älterer Frauen. Besonders auf wirtschaftlicher Ebene sind Frauen mit sozialer Ungerechtigkeit konfrontiert, da sie, gerade im Alter, durch die Gender Pay und Care Gaps oftmals finanziell weniger abgesichert und stärker von Armut bedroht sind.

 

Das Modul in Kürze

Das Modul besteht aus drei Einheiten, gefolgt von Überprüfen Sie Ihr Verständnis und Referenzen.

Einheit 1. Die negativen Auswirkungen von Stereotypen auf das Leben älterer Frauen

Einheit 2. Niedrigeres Einkommen für ältere Frauen

Einheit 3. Die Auswirkungen von Stereotypen und Vorurteilen auf die Gesundheit älterer Frauen

Überprüfen Sie Ihr Verständnis. Sind die folgenden Aussagen WAHR oder FALSCH? 

Referenzen

Einheit 1. Die negativen Auswirkungen von Stereotypen auf das Leben älterer Frauen

Ein Stereotyp bedeutet, dass jemand annimmt, dass bestimmte Eigenschaften für die Mitglieder einer bestimmten Gruppe charakteristisch sind. Stereotype können sowohl negativ als auch positiv sein und dienen dazu, komplexe Sachverhalte zu vereinfachen und Informationen zu kategorisieren. Durch sie kann eine Abgrenzung von einer anderen Gruppe stattfinden („die anderen“) oder ein Gemeinschaftsgefühl („wir“) erzeugt werden. Wir alle benutzen Stereotype, wir sollten aber darauf bedacht sein, sie auch zu hinterfragen. Auch unsere Wahrnehmung von Alter und Gender wird oft von Stereotypen beeinflusst, die bereits in der Kindheit gebildet werden und teilweise schwierig zu hinterfragen sind. Denn Alter und Geschlecht sind in der Regel die ersten Aspekte, die wir wahrnehmen, wenn wir einer Person begegnen. 

 

Das Altern ist ein hochgradig individueller und komplexer Prozess. Dennoch stereotypisieren wir ältere Menschen häufig. Insbesondere in westlichen Kulturen sind Stereotype über das Altern in erster Linie negativ. Dementsprechend nehmen wir das spätere Leben als eine Zeit der Krankheit, der Einsamkeit, der Abhängigkeit und der schlechten körperlichen und geistigen Verfassung wahr. Dass dies oftmals gar nicht zutrifft, müssen wir uns bewusst machen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Stereotype Ausgrenzung und Diskriminierung verursachen. Altersdiskriminierung und negative Alters-Stereotype können erhebliche Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit und das Wohlbefinden älterer Menschen haben. So können beispielsweise verinnerlichte negative Stereotype über das Alter zu selbsterfüllende Prophezeiungen werden, in denen das Alter mit Inaktivität und Krankheit gleichgesetzt wird.

 

Auch Medien spielen eine wichtige Rolle in der Bildung und Verbreitung von Stereotypen. Eine Studie über Stereotype in der Werbung, die von der Medienagentur UM in Zusammenarbeit mit Credos durchgeführt wurde, ergab, dass sich fast ein Drittel der befragten Frauen aller Altersgruppen von der Werbung bevormundet fühlt, wobei dieses Gefühl bei älteren Frauen am stärksten ausgeprägt ist. Die Studie zeigt auch, dass ältere Frauen den Eindruck haben, dass die Gesellschaft von ihnen erwartet, dass sie aus dem öffentlichen Leben verschwinden, wenn sie älter werden (s. dazu auch das folgende Kapitel).

 

Ein Beispiel, wie Medien die Wahrnehmung von älteren Frauen beeinflussen, ist dass die Hälfte der befragten Frauen der Meinung ist, dass die Phase der Wechseljahre nicht authentisch dargestellt wird. Zum einen umgibt die Menopause nach wie vor ein Tabu, zum anderen zeigt sich in der fehlenden Darstellung ein Mangel an Wissen und Verständnis. Laut UM wäre es aber für Unternehmen tatsächlich von Vorteil, sich ausgiebig mit dieser Altersgruppe zu beschäftigen, denn ein Viertel der Frauen in den Wechseljahren gibt an, mehr Zeit und Geld für Fitness, Hautpflege und Urlaub auszugeben—sie sind also eigentlich eine wichtige Zielgruppe! 


In der Studie sind sechs von zehn Frauen der Meinung, dass Werbung eine Rolle dabei spielt, Stereotypen in der Gesellschaft im Allgemeinen zu bekämpfen. Trotz einiger eindrucksvoller und preisgekrönter Kampagnen in jüngster Zeit wünscht man sich eine genauere und positivere Darstellung von Frauen in all ihren Rollen und jeder Phase ihres Lebens. 

Einheit 2. Niedrigeres Einkommen für ältere Frauen

 

Europa altert. Dies bedeutet auch, dass mehr als 130 Millionen Menschen in der Europäischen Union, also etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung, eine Rente beziehen. Im Großen und Ganzen sorgen die nationalen Rentensysteme dafür, dass ältere Bürger nach dem Ende ihres Arbeitslebens ein stabiles Einkommen erhalten und nicht von Armut bedroht sind. Tatsächlich ist das Risiko, arm zu sein, in der EU bei älteren Menschen über 65 Jahren geringer als bei der Bevölkerung unter 65 Jahren. Obwohl ältere Menschen recht gut vor Armut geschützt sind, gibt es in weiten Teilen der EU deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.   

 

Diese sind größtenteils die Folge von systematischen Benachteiligungen von Frauen während des gesamten (Erwerbs-)Lebens: Schlechtere Ausbildungs- und Arbeitschancen, mehr Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit sowie fehlende professionelle Netzwerke können langfristige Folgen haben, die häufig in ein geringeres Einkommen im Ruhestand münden. Die oft beträchtlichen Unterschiede bei den Renten von Männern und Frauen spiegeln die Gender Pay Gap mit all ihren Gründen wider: Unterschiede bei der Entlohnung, Sorgearbeit für Kinder und Angehörigen und dadurch mehr Unterbrechungen der beruflichen Laufbahn und Teilzeitarbeit, usw. In einigen Europäischen Ländern ist auch das gesetzliche Renteneintrittsalter für Frauen in immer noch niedriger als das der Männer, was zu kürzeren Beitragszeiten führt und geringere Leistungen zur Folge hat. Gleichzeitig leben Frauen in der Regel länger als Männer und benötigen daher über einen längeren Zeitraum ein Einkommen. In der EU insgesamt lag die Durchschnittsrente der Frauen bei 60 % der Durchschnittsrente der Männer.  Auch in Deutschland ist die Lücke beträchtlich, in den neuen Bundesländern allerdings deutlich geringer als im Westen.

 

Um diese Situation zu ändern, muss Chancengleichheit in allen Lebensphasen gewährleistet sein und Ungleichheiten verringert werden. Dies schließt auch Maßnahmen zur Beseitigung von (Alters-)Diskriminierung ein, und die soziale, wirtschaftliche und politische Eingliederung aller zu fördern, unabhängig von Alter, Geschlecht, Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit, Herkunft, Religion oder wirtschaftlichem Status.

Einheit 3. Die Auswirkungen von Stereotypen und Vorurteilen auf die Gesundheit älterer Frauen

 

In Anbetracht der Tatsache, dass Altersdiskriminierung und negative Stereotypen über ältere Menschen allgegenwärtig sind, ist es nicht überraschend, dass sie auch im Gesundheitssystem anzutreffen sind. Studien mit Ärzt*innen zeigen, dass ihre Einstellungen zu älteren Patient*innen nicht notwendigerweise objektiv sind, sondern sie—wie alle anderen Menschen—von Stereotypen beeinflusst werden (Meisner, 2012, S. 61). Je nachdem, um welche Verallgemeinerungen es sich handelt, können sie sich fördernd und hemmend auf Handlungen, Leistungen, Entscheidungen, Einstellungen und folglich ganzheitliche auf die Gesundheit älterer Menschen auswirken. Die Gründe sind komplex. Sie können mit persönlicher Distanzierung zu tun haben (Martens, Goldenberg, & Greenberg, 2005), mit wirtschaftlichen Erwägungen (Meisner, 2012) oder mit dem Wunsch zu heilen statt chronische Krankheiten zu ‚verwalten‘ (Taylor, 2012). Ein weiteres Problem ist es, wenn Menschen im Alter nicht mehr ernst genommen werden und bei Behandlungen als unmündig behandelt oder ihre Beschwerden als unumgängliche Alterserscheinung abgetan werden. Dies betrifft Frauen und Männer gleichermaßen.

 

In den letzten Jahren wird zudem die Forderung lauter, geschlechtsspezifischer Medizin mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Durch biologische aber auch psychologische Faktoren verlaufen Krankheiten bei Männern und Frauen unterschiedlich. Viele Behandlungsmuster gehen vom männlichen Körper als ‚normal‘ aus. Dies kann durchaus problematisch werden, denn zum Beispiel zeigen sich Symptome eines Herzinfarktes bei Frauen anders als bei Männern, während bei Männern ‚typische Frauenkrankheiten‘ wie Osteoporose seltener diagnostiziert werden. Hinzu kommt, dass intersektionelle Identitäten zu einer kumulativen Belastung für ältere Patient*innen, die bereits aus anderen Gründen marginalisiert sind, führen können, zum Beispiel auf Grund ihrer Ethnizität oder sexuellen Orientierung. Der Abbau von Altersdiskriminierung und Sexismus und die Förderung eines realistischeren und vielfältigeren Bildes von älteren Frauen können  also nicht nur die Beziehung zwischen Ärzt*innen und Patient*innen verbessern, sondern auch die Behandlung erleichtern und Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung verringern.

 

Im Bereich geschlechtsspezifische Medizin und Ungleichheiten in Bezug auf Gesundheit besteht mit Sicherheit Forschungsbedarf. Auch ist es wichtig, dass sowohl die Angehörigen der Gesundheitsberufe als auch ältere Patient*innen geschult werden. Ältere Menschen müssen über Altersdiskriminierung und Stereotype aufgeklärt werden, damit sie diese erkennen und sich dagegen wehren können. Nicht zuletzt kann sich eine positive Selbstwahrnehmung positiv auf die körperliche Gesundheit und das Wohlbefinden auswirken (North & Fiske, 2012). 

Wenn ältere Frauen ohne Angst vor Diskriminierung Ärzt*innen von ihren Symptomen zu erzählen, und in der Lage sind, auf die von ihnen benötigten Informationen zu bestehen, könnte sich die Qualität der Gesundheitsversorgung deutlich verbessern.

Jolly, R. (2014). Inequality and ageing. Facing the Facts: The Truth About Ageing and Development. London. Age International.

 

https://eige.europa.eu › default › files › documents.pdf

 

https://www.warc.com/newsandopinion/news/older-women-feel-stereotyped-in-advertising/41039 

 

https://ec.europa.eu/eurostat/documents/3217494/10166544/KS-02-19%E2%80%91681-EN-N.pdf/c701972f-6b4e-b432-57d2-91898ca94893

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