Geschichten aus Italien

MARGHERITA HACK

Der Fortschritt des Wissens findet statt, weil wir uns auf die Arbeit der großen Genies verlassen können, die uns vorausgegangen sind.

-Margherita Hack

Margherita Hack war von 1964 bis zum 1. November 1992 Professorin für Astronomie an der Universität von Triest und die erste italienische Frau, die von 1964 bis 1987 das Astronomische Observatorium von Triest leitete. Zudem war sie von 1985 bis 1991 und von 1994 bis 1997 Direktorin des Fachbereichs Astronomie an der Universität von Triest

Während ihrer Karriere ist Margherita Hack Mitglied der renommiertesten Physik- und Astronomieverbände und arbeitet an vielen amerikanischen und europäischen Observatorien. Zudem ist sie lange Zeit Mitglied von Arbeitsgruppen der ESA und der NASA. In Italien sorgt sie durch intensive Öffentlichkeitsarbeit dafür, dass die Aktivitäten der astronomischen Gemeinschaft zunehmen und einen internationalen Bekanntheitsgrad erreichen. 

Hack schließt 1945 ihr Physikstudium an der Universität von Florenz mit einem Prüfungsergebnis von 101/110 ab. Ihre Dissertation in Astrophysik befasst sich mit Cepheiden-Variablen, die auf ihren Studien im Observatorium von Arcetri beruhen. Sie veröffentlicht zahlreiche Arbeiten in internationalen Fachzeitschriften und mehrere Bücher sowohl auf populärwissenschaftlicher als auch auf fachlicher Ebene. Im Jahr 1994 wird sie mit dem Targa Giuseppe Piazzi für wissenschaftliche Forschung und 1995 mit dem Cortina Ulisse Preis für wissenschaftliche Verbreitung ausgezeichnet. Im Jahr 1978 gründet Hack die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift „L’Astronomia“. Zusammen mit Corrado Lamberti leitet sie die Zeitschrift für populärwissenschaftliche und astronomische Kultur „Le Stelle“.

Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist Hack In Italien für ihre antireligiösen Ansichten und ihre Kritik an der katholischen Kirche bekannt. Sie selbst ist bekennende Atheistin und glaubte nicht an eine Religion oder eine Form des Übernatürlichen. Sie ist seit 1989 wissenschaftliche Befürworterin des CICAP und Ehrenvorsitzende der Union of Rationalist Atheists and Agnostics (UAAR). Sie veröffentlicht außerdem ein Buch über Vegetarismus mit dem Titel „Perché sono vegetariana“ (Warum ich Vegetarierin bin), sowie ein Buch mit dem Titel „La mia vita in bicicletta“ (Mein Leben auf dem Fahrrad).

Auch politisch ist Hack aktiv und Mitglied der Transnationalen Radikalen Partei.  Bei den italienischen Parlamentswahlen 2006 tritt sie für die Partei der italienischen Kommunisten an. Sie wird für mehrere Bezirke der Abgeordnetenkammer nominiert, beschließt aber, auf das Mandat zu verzichten, um sich der Astronomie zu widmen. Im November 2009 kritisiert sie in einem offenen Brief in der Zeitschrift MicroMega den italienischen Ratspräsidenten Silvio Berlusconi im Zusammenhang mit den Gerichtsverfahren, in die er verwickelt war, und seinem angeblichen Versuch, sich diesen zu entziehen. Bei den Regionalwahlen 2010 kandidiert Hack für die Federazione della Sinistra und wird im Bezirk Rom mit über 7000 Stimmen gewählt. Während der ersten Ratssitzung tritt sie zurück und überlässt den Sitz den Kandidat*innen der anderen Liste

Hack stirbt am 29. Juni 2013 im Alter von 91 Jahren. Hack vermachte der Stadt Triest ihre persönliche Bibliothek, die 24.000 Bücher über Astronomie umfasst.

ARTEMISIA GENTILESCHI

Artemisia Gentileschi (8. Juli 1593 – ca. 1656) war eine italienische Barockmalerin und gilt als eine der erfolgreichsten Künstlerinnen des siebzehnten Jahrhunderts. Bereits im Alter von fünfzehn Jahren schafft sie professionelle Werke und arbeitet zunächst im Stil von Caravaggio. In einer Zeit, in der Frauen nur wenige Möglichkeiten haben, eine künstlerische Ausbildung zu absolvieren oder als professionelle Künstlerin zu arbeiten, ist Artemisia die erste Frau, die Mitglied der Accademia di Arte del Disegno in Florenz wird und einen internationalen Kundenkreis aufbaut.

Viele von Artemisias Gemälden zeigen Frauen aus Mythen, Allegorien und der Bibel, darunter Opfer, Selbstmörderinnen und Kriegerinnen. Eines ihrer bekanntesten Gemälde ist „Susanna und die Ältesten“ (1610, Pommersfelden), das sie mit 17 Jahren malte. Das Gemälde stellt die biblische Geschichte der Susanna dar. Das Gemälde ist ein Beispiel dafür, wie Artemisia sich den Realismus und die Effekte Caravaggios zu eigen macht, und dennoch einen eigenen Stil entwickelt. Weitere bekannte Sujets sind Judith und Holofernes, von dem insgesamt sechs Versionen bekannt sind, Judith und ihre Magd. Weitere bedeutende Werke aus ihrer Zeit in Florenz sind „La Conversione della Maddalena“ (Die Bekehrung der Magdalena), „Selbstbildnis als Lautenspieler“ (in der Sammlung des Wadsworth Atheneum Museum of Art).

Artemisia wird für ihre Fähigkeit bekannt, die weibliche Figur mit großer Natürlichkeit darzustellen, und für ihr Geschick im Umgang mit Farbe, um Dimension und Dramatik zu bewirken.

Sie verbringt einige Zeit in Rom, Neapel und auch in London, wo sie ihrem Vater bei der Ausschmückung einer Deckenallegorie des Triumphs des Friedens und der Künste im Haus der Königin half. Doch als eigenständige Künstlerin hat Artemisia in Florenz den größten Erfolg. Sie unterhält gute Beziehungen zu den angesehensten Künstlern ihrer Zeit und einflussreichen Persönlichkeiten, darunter die Familie Medici, Großherzogin Christina von Lothringen und Galileo Galilei. Ihre Verbindungen in die höfische Kultur in Florenz verschaffen ihr nicht nur Zugang zu Mäzen*innen, sondern erweitern auch ihre Bildung und ihren Zugang zu den Künsten. Sie lernt lesen und schreiben und besucht Musik- und Theater- Aufführungen. 

Ihre Errungenschaften als Künstlerin werden lange Zeit von der Geschichte ihrer Vergewaltigung durch Agostino Tassi als junge Frau und von ihrer Teilnahme am Prozess gegen ihren Vergewaltiger überschattet. Viele Jahre lang gilt Artemisia als Kuriosität, doch im 20. und 21. Jahrhundert werden ihr Leben und ihre Kunst von Wissenschaftler*innen neu entdeckt, und sie gilt heute als eine der fortschrittlichsten und ausdrucksstärksten Malerinnen ihrer Generation. Heute wird sie allein für ihre Talente anerkannt und erhält große Ausstellungen in international angesehenen Kunstinstitutionen wie der National Gallery in London.