Geschichten aus Slovenien

ZORA JANŽEKOVIČ: EIN LEBEN FÜR DIE MEDIZIN

Wer war Zora Janžekovič? Eine slowenische Schönheitschirurgin, die sich auf die Behandlung von Brandwunden spezialisiert hatte. Zora ist ein Weltstar der medizinischen Wissenschaft. Dennoch ist sie in Slowenien immer noch weitgehen unbekannt, obwohl ihr Name und ihr Bild weltweit in Lehrbüchern auftauchen.

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Zora ist fleißig, phantasievoll und ausdauernd. Als Kind beobachtet sie einen örtlichen Arzt bei der Arbeit, was sie so sehr für die Medizin begeistert, dass sie selbst Ärztin werden will—eine eher ungewöhnliche Wahl für ein Mädchen in der Zeit, als die Medizin noch von Männern dominiert wird. Sie studiert Medizin an der Universität von Zagreb. Während ihres Studiums verliebt sie sich in einen ukrainischen Kommilitonen und beide arbeiten während des Zweiten Weltkriegs im Krankenhaus von Varaždin, wo Zora viele Erfahrungen sammelt. Danach wartet sie mehrere Jahre lang auf ihren Praktikumsplatz in der Abteilung für plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Ljubljana. Obwohl sie eine sehr engagierte junge Ärztin ist, kann sie nicht verhindern, dass sie von ihren männlichen Kollegen schief angesehen wird. Wie in vielen europäischen Ländern gilt die Chirurgie als zu anstrengend für Frauen und ist daher für sie nicht zugänglich. Doch Zora widersetzt sich und entwickelt eine Methode zur sofortigen Behandlung von Brandwunden, bei der das abgestorbene Gewebe abgeschnitten und mit der eigenen Haut des Patienten bedeckt wird. Das bedeutet ein Durchbruch in der plastischen Chirurgie.

Aber dennoch hat Zora Janžekovič als Ärztin, die in einem kleinen Krankenhaus in Maribor mit geringen finanziellen Mitteln und obendrein hinter dem Eisernen Vorhang arbeitete, mit vielen Stereotypen zu kämpfen. Auch nach ihren ersten Erfolgen bleibt es schwierig, die Mentalitäten und Ansichten ihrer Kollegen zu ändern. Entscheidend für ihre berufliche und wissenschaftliche Anerkennung ist ein Kongress für plastische Chirurgie in Ljubljana im Jahr 1968, auf dem sie ihre Methode mit der Dokumentation der Behandlung von 1335 Patienten mit Fotos und Filmen vorstellt. Von da an kommen Chirurgen aus der ganzen Welt nach Maribor, um bei ihr zu lernen. Sie wird zu einer weltweiten Ikone in ihrem Fachgebiet. Dennoch beschreiben sie manche als ‚ein Monster, mit dem man nur schwer zusammenarbeiten kann‘, ‚die Verrückte aus Jugoslawien‘, usw.  Sie argumentiert, dass Verbrennungswunden durch unsachgemäße Behandlung und nicht durch die Umwelt verunreinigt werden. Sie wird Mitbegründerin einer Abteilung für plastische Chirurgie in ihrem Krankenhaus und gründet im hohen Alter eine Stiftung für Medizinstudenten, die aus Slovenska Bistrica stammen. Sie verringert die Zahl der Kontaminationsfälle drastisch und wurde in die Liste der 25 einflussreichsten Ärzt*innen der Welt aufgenommen. Trotzdem ist sie in Slowenien immer noch unbekannt. 

Literatur und Quellen

Janžekovič, Zora. 2008. Once upon a Time … How West Discovered East. Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery 61 (3): 240– 244. https://doi.org/10.1016/j.bjps.2008.01.001

Veljko Vlaisavljević. (ur.) “Zora Janžekovič”. Poglavje v knjigi Osebnosti slovenske medicine MatTv Maribor, 2011

ANGELA VODE

Angela Vode wird 1892 in einer armen Arbeiterfamilie geboren und erhält zunächst die Erziehung, die damals in der österreichisch-ungarischen Monarchie für Mädchen üblich war: Frauen sollten entweder Lehrerinnen oder Ehefrauen werden. Sobald sie verheiratet waren, wurden die Frauen (per Gesetz) gezwungen, ihren Lehrerinnenberuf aufzugeben, mit der fragwürdigen Begründung, verheiratete Lehrerinnen seien ein schlechtes und unmoralisches Vorbild für junge Mädchen. Angela arbeitete bis 1917 als Lehrerin, dann wird sie wegen ihrer Mitgliedschaft in einer anti-österreichischen Jugendbewegung entlassen. Danach studiert sie in Prag, Berlin und Wien Sonderpädagogik, um Lehrerin für Kinder mit Behinderungen zu werden.

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Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeitet sie wieder als Erzieherin, doch sie ist auch Anführerin der Frauenbewegung und eine linke Politikerin. Sie veröffentlicht mehrere Bücher, von denen das bekannteste „Spol in usoda“ (Geschlecht und Schicksal) ist. 1934 schreibt sie das Buch „Žena v sedanjem svetu“ (Frauen in der zeitgenössischen Gesellschaft), in dem sie zwar natürliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen einräumt, aber die soziale Gleichstellung der Geschlechter fordert. Vode fordert in ihrem Buch Frauen auf, etwas über die Vergangenheit und die Gesellschaft zu lernen, um ihre soziale Stellung zu verbessern. Sie argumentiert, dass eine gesunde Ehe auf Liebe, Freundschaft, gegenseitigem Respekt und Verständnis, aber auch auf wirtschaftlicher Unabhängigkeit beruhen sollte. Sie betont, dass „Frauen ein organischer Teil der menschlichen Gesellschaft, der Nation, des Staates und der Familie sind, genau wie Männer, und dass ihr Leben und ihre Stellung gleichermaßen von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen abhängen.“ Dementsprechend sei die Forderung nach einer Beteiligung der Frauen am öffentlichen Leben legitim. Anfang der 70er Jahren arbeitet sie sowohl ihr Leben als auch die gesellschaftlichen Entwicklungen in einer Autobiografie auf. Nach ihrem Tod wird das Manuskript sicher versteckt, um erst viel später, 2004, unter dem Titel „Skriti spomin“ (Verborgene Erinnerung) veröffentlicht zu werden. Das Buch beschäftigt sich mit den feministischen und revolutionären Bewegungen vor dem Zweiten Weltkrieg.

Sie tritt bereits 1922 in die Kommunistische Partei ein, obwohl diese damals in Jugoslawien illegal ist. Wegen ihrer lautstarken Opposition gegen den Stalin-Ribbentrop-Pakt wird sie 1939 aus der Partei ausgeschlossen. Im so genannten Nagode-Prozess 1947 wird Angela Vode angeklagt, eine Spionin und eine Feindin der Arbeiterklasse zu sein und auf der Gehaltsliste ausländischer Regierungen zu stehen. Sie wird zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt, aus der sie 1953 aufgrund ihres Gesundheitszustandes entlassen wird. Bis zu ihrem Tod 1985 führt sie ein isoliertes Leben abseits der Öffentlichkeit, ohne das Recht auf Arbeit, Sozial- und Krankenversicherung. Dennoch verfolgt und analysiert sie weiterhin die politischen Entwicklungen und bleibt kritisch gegenüber den Machenschaften ihrer ehemaligen „Genossen“. 

Literatur und Quellen

Vode, Angela (1998) Spol in upor. Zbrana dela Angele Vode ( Eng.Gender and Resistance) 

Vode, Angela (2004) Skriti spomin. Ljubljana : Nova revija (Eng. The Hidden Memory) Wiess, Maja : Skriti spomin (film) Alenka Puhar about Angela Vode https://4d.rtvslo.si/arhiv/razlicni-prispevki/31638842?jwsource=cl