Geschichten aus Frankreich

EMILIE DU CHÂTELET, GELEHRTE MARQUISE UND FRAU DES JAHRHUNDERTS DER AUFKLÄRUNG

„Ich würde die Frauen in alle Menschenrechte einbeziehen, besonders in die Rechte des Geistes.“ Diese Worte schreibt Emile Du Châtelet im 18. Jahrhundert. Es sind die Worte einer außergewöhnlichen Frau, die ihre intellektuellen Qualitäten entwickeln und sich in der ausschließlich männlichen Welt der Wissenschaft durchsetzen konnte.

Emilie du Châtelet heißt mit vollem Namen Gabrielle Emile Le Tonnelier de Breteuil und wird am 17. Dezember 1706 als Aristokratin in Paris geboren, zu Beginn des Jahrhunderts der Aufklärung, in dem sie eine der führenden Persönlichkeiten wird. Sie ist die Tochter eines aufgeschlossenen Mannes, der ihr eine für eine Frau jener Zeit außergewöhnliche Ausbildung ermöglicht. Sie tanzt, spielt Cembalo, lernt Latein, Griechisch und Deutsch, interessiert sich für schöne Kleider, die Oper und die Wissenschaft. Sie heiratet den Marquis Florent Claude du Châtelet, der von ihrer Intelligenz beeindruckt ist und die beiden führen eine flexible Beziehung ein, die es der Marquise du Châtelet ermöglicht, mit großen Männer ihrer Zeit, wie Bernoulli und Voltaire, zu verkehren. 

Emilie du Châtelet begeistert sich für die Physik und analysiert die theoretischen Arbeiten von Leibniz über die kinetische Energie, die sie mit Hilfe von Experimenten veranschaulicht. Sie schreibt eine physikalische Abhandlung, die von der Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wird—eine Premiere für eine Frau. 

Sie interessiert sich für Newtons Werk und beginnt mit der Übersetzung seiner Principia mathématica, eines der wichtigsten wissenschaftlichen Bücher, die je veröffentlicht wurden, und das zu mathematischen Grundlage der Naturphilosophie wird. Veröffentlicht wird sie im Jahr 1756. Dieses Werk ist bis heute die einzige französische Übersetzung der Principia mathématica. 

Im Alter von 43 Jahren stirbt Emilie du Châtelet, vier Tage nach der schwierigen Geburt einer Tochter, die ebenfalls nicht überleben wird.

MARIE-ANNE PIERRETTE PAULZE, MUTTER DER MODERNEN CHEMIE

Marie-Anne Pierrette Paulze wird als Tochter des Hauptzollpächters und Direktors der Französischen Ostindien-Kompanie, Jacques-Alexis Paulze, am 20. Januar 1758 in Montbrison geboren. Nach dem Tod ihrer Mutter schickt ihr Vater sie in das Kloster der Heimsuchung in Montbrison, damit sie die klassische Ausbildung eines jungen Mädchens aus dem Großbürgertum erhält.

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Dort formt sie ihren Charakter und interessiert sich besonders für die Naturwissenschaften und das Zeichnen. Im Alter von 13 Jahren heiratet Marie-Anne den Chemiker Antoine Lavoisier (1743-1794), der zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alt ist. Er ist heute als Begründer der modernen Chemie und Entdecker der Atmungsphysiologie bekannt. Das Paar hatte keine Kinder. Dieser Umstand erklärt vielleicht die Hingabe, die Marie-Anne und Antoine einander während ihrer Verbindung entgegenbrachten. Sie ist ihrem Mann eine wertvolle Mitarbeiterin, die sich an seinen wissenschaftlichen Arbeiten beteiligt und sie teilweise erst ermöglicht, indem sie verschiedene Veröffentlichungen ins Französische übersetzt. Sie illustriert außerdem das Werk ihres Mannes, darunter zeichnet sie alle Tafeln seines 1789 veröffentlichten „Traité élémentaire de chimie“ (auf Deutsch: System der antiphlogistischen Chemie). Sie fertigt zahlreiche Notizen und Zeichnungen zu ihren Experimenten an, die es ihnen ermöglichen, ihre Entdeckungen bekannt zu machen und die nichts Geringeres als die Grundsätze der modernen Chemie darstellen.